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Willkommen
in der modernen Sklaverei!
Den Begriff
eines Sklaven kennen Sie sicherlich aus dem Geschichtsunterricht.
Es ist ein Mensch, der seiner persönlichen Freiheit beraubt ist
und zum Zwecke der wirtschaftlichen Ausbeutung als Eigentum eines
anderen behandelt wird. Dieses wird gegen den Willen der Person mittels
physischer, psychischer oder institutioneller Gewalt erzwungen.
Nun stellen Sie sich doch einmal vor, es käme bei Ihnen auf der
Arbeit immer mal jemand vorbei, um Sie mit Worten wie "Hopp,
hopp, nun aber etwas schneller gearbeitet!" oder "Das reicht
längst nicht, ich brauche mehr!" oder "Wenn ich das
nächste Mal vorbeikomme, müssen Sie drei Prozent mehr geschafft
haben!" zu mehr Leistung antreiben wollte. Nein, ich meine nicht
Ihren Vorgesetzten, denn der macht ja so etwas hoffentlich nicht.
Und wenn dann wahrscheinlich nur, weil er das Gleiche von diesen ominösen
Herren zu hören bekommt. Sicherlich würde Ihr Chef ihn sogleich
fragen - geschäftstüchtig, wie Chefs eben so sind -, wie
viel der Herr für die erwartete Mehrleistung an Pinkepinke rüberstrecken
würde. In diesem Fall würde dieser ganz laut lachen, einmal
mit seiner Peitsche in die Luft schlagen und sagen, dass Sie alle
seine Sklaven seien, und wenn seine Forderungen nicht recht bald erfüllt
würden, er den Laden demnächst schließen werde. Er
würde seine muskelbepackten Kumpels vorbeischicken und die ganze
Belegschaft inklusive Chef auf die Straße setzen. Und so kommt
er bereits seit Jahren und Jahrzehnten bei Ihnen vorbei, mit immer
den gleichen Forderungen und sie rackern und rackern, zahlen und zahlen.
Bestimmt denken Sie jetzt, dass es sich bei meinen Ausführungen
um eine Räuberpistole aus einem schlechten Krimi oder den Stoff
für einen Thriller mit der Russenmafia handeln müsste. Sie
würden ja diesen Herren sicherlich des Betriebsgeländes
oder Büros verweisen und, wenn er dieses nicht tun würde,
die Polizei rufen und ihn wegen des Versuchs der Nötigung anzeigen.
Dann würde sich ein Gericht mit ihm beschäftigen und bei
wiederholtem Fehlverhalten zeitweise aus dem Verkehr ziehen. So würde
es wohl auch sein.
Aber nun stellen Sie sich vor, Sie könnten diesen Herren gar
nicht bei der Polizei anzeigen, weil sein Verhalten dem geltenden
Recht entsprechen würde. Aus diesem Grunde wären Sie tatsächlich
gezwungen, ihm einen Teil Ihrer Arbeitsleistung, des erwirtschaften
Geldes und der Lebenszeit zu überlassen, und das ohne jegliche
Gegenleistung von ihm. Und weil seine Forderungen regelmäßig
erhöht würden, müssten Sie immer mehr und mehr arbeiten.
Außerdem würde die Firma tatsächlich schließen,
wenn Sie seinen Erwartungen nicht entsprächen. Jetzt werden Sie
sicherlich sagen, dass ich wohl schlecht geschlafen habe und offensichtlich
etwas verwechsele. Sklaven zu halten, ja das war doch früher
einmal, das hätten Sie doch in Geschichte gelernt, das sei doch
längst Vergangenheit, das dürfe doch heutzutage niemand
auf der Welt mehr, nicht einmal im entferntesten Busch. Und außerdem
lebten wir in einem Rechtsstaat und einer Demokratie, wo so etwas
völlig undenkbar sei. Sie haben völlig Recht, Sklaven zu
halten ist heutzutage verboten, und niemand kommt bei Ihnen auf der
Arbeitsstelle mit einer Peitsche vorbei und bedroht Sie körperlich.
Dennoch kommt Ihnen sicherlich einiges von dem, was ich geschildert
habe, bekannt vor. Insbesondere, dass Sie ständig zu mehr Arbeitsleistung
genötigt werden. Das verlangen möglicherweise die Firmenleitung,
der Chef, die Konkurrenz, "der Markt" usw. Vielleicht denken
Sie: Ja der Chef ist einfach nur ein böser Ausbeuter oder die
Konkurrenz ist so hart, oder Ähnliches. Das kann schon sein,
aber es ist auch so, dass es den meisten anderen Menschen ebenso ergeht.
Wo immer Sie hinschauen, die meisten Arbeitenden sind fürchterlich
am Rotieren und müssen immer weiter einen Zahn zulegen. Da könnten
Sie sich doch einmal fragen, für wen oder was eigentlich die
ganze Hektik nötig ist? |

Die Menschen
in Deutschland könnten dank der hohen Arbeitsproduktivität längst
in Freiheit, sozialer Sicherheit und Wohlstand leben. Stattdessen werden
Löhne, Renten und Sozialleistungen immer weiter gekürzt, Arbeitszeiten
verlängert, steigen Leistungsdruck und Arbeitsstress, wachsen Kriminalität
und soziale Notlagen, geraten immer mehr Menschen trotz Arbeit in die
Armut. Im Gegensatz dazu sprudeln immense Gewinne bei Großkonzernen,
werden Reiche immer reicher.
Im Deckmantel
der Propaganda von Wachstum und Beschäftigung bewegt
sich unsere Gesellschaft auf eine neuartige Form der Sklaverei zu. Am
Endpunkt dieser Entwicklung herrscht eine reiche Minderheit wie zu Zeiten
des Feudalismus über die arbeitende Masse, nur dass dieses nicht
so offensichtlich ist wie damals.
Die Hauptursache
ist in unserem Geldsystem zu finden. Dieses macht die Reichen automatisch
immer reicher und die Armen immer zahlreicher. Der Autor beschreibt auf
anschauliche und provokante Weise diese Entwicklung und zeigt Lösungen
auf
Copyright:
2006 Detlef Ouart
Grafiken: Detlef Ouart
Illustrationen und Umschlag: Matthias Weher
Herstellung: Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN 3-8334-4947-0
Umfang: 180 Seiten
Preis: 14,90 Euro
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