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Gesunde Wirtschaft, gesunde Menschen
© Detlef Ouart

Wirtschaftswachstum ohne Ende?
Derzeit werden in Deutschland Waren und Dienstleistungen im Wert von über 2 Billionen Euro (Bruttoinlandsprodukt) produziert. [1] Können Sie sich diese Größenordnung überhaupt vorstellen? Pro Jahr muss jeder Mensch (vom Säugling bis zum Rentner) Dienstleistungen und Waren im Wert von über 24.000 Euro verbrauchen! Und damit die Wirtschaft weiter wachsen kann, muss dieser Betrag auch ständig weiter ansteigen. Angesichts der hohen Arbeitslosenzahlen und mit Waren übervoll gefüllten Läden und Einkaufszentren, könnte man durchaus zu der Erkenntnis kommen, dass weiteres Wirtschaftswachstum zumindest in nächster Zukunft überflüssig sei. Jedoch, haben Sie jemals einen Politiker oder Wirtschaftsexperten sagen hören, ab welcher Größenordnung von hergestellten Waren und Dienstleistungen eine gesunde Obergrenze erreicht ist? Haben Sie jemals gehört, dass ab einer Wirtschaftsleistung von beispielsweise 2,5 Billionen Euro im Jahr sämtliche Bürger ausreichend mit Waren und Dienstleistungen versorgt seien und ein Wachstum darüber hinaus nicht notwendig ist? Sicherlich haben Sie so etwas von anerkannten Autoritäten noch nie gehört.

Künstliches Wachstum
Wirtschaftswachstum aber ist schlecht sicherstellen, wenn die Bedürfnisse der Menschen, die über genügend Geldmittel verfügen, befriedigt sind. Wenn die Grundbedürfnisse der Menschen weitestgehend befriedigt wären, könnte man die Arbeitszeit so gestalten, dass man überwiegend Arbeiten ausführt, um den bisherigen Standard beizubehalten. Natürlich möchte man immer mal etwas Neues und Besseres konsumieren und auch unangenehme Arbeiten durch neue Techniken erleichtern. So wird es auch immer wieder etwas Neues zu produzieren geben. Nur muss man deshalb nicht ständig die gesamte Menge an produzierten Waren und Dienstleistungen steigern. Ganz im Gegenteil, durch neue Technologien kann man sogar sehr viel Arbeit einsparen. Da man aber aufgrund der Zins-Problematik ständiges Wirtschaftswachstum benötigt, muss eine riesige Werbeindustrie immer mehr an Waren und Dienstleistungen an den Mann und an die Frau bringen. Man muss also eine künstliche Nachfrage erzeugen.

Der Index für das Wirtschaftswachstum ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Es enthält die Summe sämtlicher in einer Volkswirtschaft hergestellten Waren und erbrachten Dienstleistungen und gilt als "der" Maßstab für das Wohl und Wehe der Gesellschaft. Und aus diesem "sämtliche" Waren und Dienstleistungen ist zu ersehen, dass dort also auch alle Waren und Dienstleistungen ins Gewicht fallen, die durch Not und Leid und Verschlechterung von Lebensbedingungen der Menschen erbracht werden. Das BIP ist also kein Wohlfühlbarometer, denn es landen neben vielen positiven Errungenschaften auch die Behandlung von Krankheiten, Klinikaufenthalte, Geräte, die im Krankenhaus eingesetzt werden, Physiotherapie, die Umsätze der Pharmaindustrie, der Ärzte und der Apotheken usw. nach dieser Berechnung auf der Habenseite der Gesellschaft. Wenn man mit Krankheit und Leid der Menschen hohe Umsätze und Gewinne erzielen kann, ist es da ein Wunder, dass es immer mehr kranke Menschen gibt und die Kosten für die Krankenkassen ständig steigen?

Als Folge dieser Zusammenhänge werden immer mehr ursprüngliche natürliche Bedürfnisse und die Gesundheit der Menschen beeinträchtigt:

Körperliche Bewegung
Viele Menschen haben ständig einen Mangel an körperlicher Bewegung, vor allem an gesunder Bewegung an der frischen Luft und bei Sonnenlicht. Ein Hauptgrund dafür ist, dass die Menschen auf dem Arbeitsweg und im Privatleben auf Verkehrsmittel angewiesen sind und sich daher meistens im Sitzen fortbewegen. Die Automobil- und Ölindustrie sind zu wichtigen Wirtschaftsfaktoren geworden und so werden die Entfernungen, die es zu überbrücken gilt, immer weiter. Ohne ein Automobil fühlt man sich heutzutage beinahe wie amputiert, denn die gesamte Gesellschaft wird darauf ausgerichtet. So verliert man immer mehr den Kontakt zur Natur. Auch während der Arbeit hält man sich meistens in Räumen auf bzw. verrichtet man sie im Sitzen. "Auslauf" bekommt man bestenfalls in der Mittagspause, aber auch die ist knapp bemessen. Als Folge des ständigen Bewegungsmangels funktioniert bei vielen Menschen der Stoffwechsel nicht richtig und dies führt - zusätzlich begünstigt durch falsche Ernährungsweisen - zu körperlichem Übergewicht.

Sport- und Schönheitsindustrie als Ausgleich
Sicherlich ist es sinnvoll, sich zum Ausgleich in der Freizeit körperlich zu betätigen. Damit jedoch niemand einfach nur in der Natur umherläuft, wird aus einer einfachen sportlichen Betätigung ein Lifestyle produziert. Zusätzlich werden körperliche Idealvorstellungen garniert mit Stars und Prominenten in den Medien verbreitet, so dass möglichst jeder seine eigene körperliche Statur als mangelhaft wahrnimmt. Vor allem Frauen sind dem eigenen Körper gegenüber oftmals kritisch eingestellt und so können kleinste Abweichungen vom Idealmaß zum großen Problem werden. Aber auch Männer werden immer mehr dementsprechend manipuliert, woran Fitness- und Sonnenstudios, Diätmittelmittelhersteller, Sportbekleidungsfirmen und Sportgerätehersteller und viele andere sehr gut verdienen können. Und damit immer mal wieder etwas Neues verkauft wird, wechseln Trends im Jahresrhythmus. Nicht zu vergessen sind noch Schönheitschirurgen die dann eingreifen, wenn Fitnessprogramme, Hungern und Diäten nicht mehr helfen.

Tourismusindustrie als Ausgleich
Als Ausgleich für mangelnde Bewegung, Luft und Sonne fungiert auch die Tourismusindustrie. Je größer die Entbehrungen im Alltag, desto wichtiger der Nachholbedarf im Urlaub. Ständige Umsatzsteigerungen seit den sechziger Jahren in dieser Branche resultieren u.a. aus einer ständigen Zunahme von Arbeiten in geschlossenen Räumen und Büroarbeit, die überwiegend im Sitzen geleistet wird. Dadurch fehlt den Menschen auch die Abwechslung, die die Natur mit ihren Veränderungen im Wetter, den Jahreszeiten und der Landschaften bietet. Das alles muss dann gewissermaßen im Urlaub in einem Crashkurs nachgeholt werden. Anstatt also die Arbeits- und Lebensbedingungen den Bedürfnissen der Menschen anzupassen und diesen auch im Alltag mehr Freizeit und Erholung zu gönnen, wird ein Industriezweig aufgebaut, der mit dem resultierenden Mangel kräftigen Umsatz macht. Obendrein wird durch ständig wachsenden Fahrzeug- bzw. Flugzeugverkehr und Massentourismus die Umwelt geschädigt.

Schlafmangel
Schon am Morgen beginnt für viele Menschen der Stress, denn die meisten kommen unausgeschlafen zur Arbeit. Dies wird in unserer leistungsbetonten Gesellschaft auch als normal angesehen, weil die Bedürfnisse der Menschen immer mehr an die von Maschinen angepasst werden - und die könnten rund um die Uhr laufen. Der Schlafraub hat bereits im letzten Jahrhundert mit der Industrialisierung und der Erfindung der Glühbirne begonnen und wurde später noch durch die Reiz- und Informationsüberflutung bedingt durch Fernsehen und Computer gesteigert. So hat sich die durchschnittliche Schlafdauer seit etwa 120 Jahren um 20 Prozent von neuneinhalb auf durchschnittlich siebeneinhalb Stunden verringert. [2] Durch die Technik wurde die Produktion rund um die Uhr möglich. Viele Firmen produzieren im Mehrschichten-Betrieb mit Arbeitszeiten bis tief in den Abend hinein oder auch die Nacht hindurch. Damit die Bänder nicht still stehen, müssen Zulieferer ihre Teile jederzeit pünktlich nachliefern. Dienstleistungsfirmen sind durch das Internet für ihre Kunden pausenlos erreichbar und arbeiten im 24-Sunden-Rhythmus. Doch für den Verlust an Menschlichkeit muss der moderne Mensch einen Preis bezahlen - das Wohlgefühl und die Gesundheit. Wäre es nicht logisch, dass ausgeschlafene Angestellte mehr Leistung und bessere Arbeitsergebnisse erbringen würden?

Gefühle
Menschen sollten am besten wie Maschinen denken und handeln. Die Computertechnik hat das funktionieren von Maschinen schon weit in den Alltag integriert. Gefühle dagegen würden im automatisierten Leben nur stören. Schon in der Schule lernt man vor allem Dinge, die der Industrie und Wirtschaft dienen, wie Physik, Mathematik oder Informatik. Dagegen werden Fähigkeiten, die man im zwischenmenschlichen Miteinander benötigt, wie z.B. Kommunikationsfähigkeit, Empfindungsfähigkeit oder Kompromissfähigkeit so gut wie gar nicht gefördert. Auch werden die Phantasie der Kinder und die Kreativität kaum angeregt. Das Ergebnis sehen wir überall in der Gesellschaft. Man sollte immer sachlich und emotionslos sein, nie einen Fehler machen und möglichst alles wissen. Wer einen hohen IQ besitzt, ist besonders angesehen. Dabei muss man gar nicht wie ein Computer alles auf der Festplatte, sprich im Kopf haben. Wichtig ist zu wissen, wie und wo man sich Informationen beschaffen kann, wenn man diese benötigt. Emotionale Intelligenz und Sozialkompetenz werden im Arbeitsleben kaum erwartet und wenn in der Beratung mal der Magen knurrt, ist es einem peinlich. Dabei sind Fehler und Signale des Körpers all zu menschlich. Gefühle sind out und wer keine zeigt, gilt schon im Jugendalter als "cool" - wird also anerkannt. Doch ewig lassen sich Gefühle nicht unterdrücken, was die hohen Zahlen an Depressionen und Süchten in den Industrieländern erklärt.

Ernährungsdesigner
In unserer Überflussgesellschaft - wie sie oft genannt wird - müsste man annehmen, dass es an Lebensmitteln keinen Mangel geben kann. Der Bedarf an Eiweiß, Fetten und Kohlehydraten ist auch vollständig und oft genug sogar im Übermaß gedeckt. Noch vor 80 Jahren waren Getreide, Gemüse, Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Obst und gelegentlich auch Milchprodukte überwiegend die Grundlagen unserer Ernährung. Doch sank der Verbrauch (kg pro Jahr und Person) in den Jahren 1900 bis 1990 bei Getreide von 139 auf 74, Kartoffeln von 138 auf 73 - also jeweils etwa um 50%, währenddessen sich der Verbrauch von Fleisch (47 auf 100) und Fisch (von 6 auf 14) in etwa verdoppelte.[3] Das ist auch nicht verwunderlich, denn es ist für das Wirtschaftswachstum erträglicher, Pflanzen in Fleisch zu verwandeln. Dabei könnte man in einem Jahr pro Hektar Land beispielsweise 2.000 kg Bohnen, 6.000 kg Karotten, 10.000 kg Tomaten, 12.000 kg Sellerie, aber nur 50 kg Rindfleisch herstellen. Der Wasserverbrauch für die Erzeugung von 1 kg Weizen beträgt ca. 60 Liter, für 1 kg Fleisch aber 2.000 bis 15.000 Liter. [4] Das hat zur Folge, dass sich die meisten Verbraucher von zuviel tierischen Fetten und zuwenig frischem Obst, Gemüse und Pflanzenfetten ernähren. Die Industrie macht es auch den zeitlich gestressten Menschen einfach, das Falsche zu essen. Ihre Produkte schmecken dank vieler Geschmacksverstärker besser, sind billiger, schnell in der Zubereitung und auch einfach in der Anwendung. Food Designer, Marketingexperten und Sensoriker arbeiten daran, den wirksamsten Geschmack und ein ansprechendes Aussehen zu entwickeln. Dabei werden mittlerweile über 7.500 verschiedene industriell gefertigte Zusatzstoffe wie Geschmacks-Ersatzstoffe und -Verstärker, Backhilfen, Farben, Emulgatoren, Stabilisatoren, Schmelz-Salze, Verdickungsmittel und Konservierungsstoffe zugesetzt. [5] Die generierten Kunstprodukte werden dann mit viel Werbung unter die Leute gebracht.

Suchtmittel
Zusätzlich werden in die Nahrung immer mehr abhängigmachende Inhaltsstoffe - die eine morphiumähnliche Komponente besitzen - wie z.B. Zucker, Kakao und Glutamat eingebaut. Dies soll das Verlangen nach dem Produkt zusätzlich verstärken. Bei der industriellen Produktion von Zucker werden schon viele lebenswichtige Stoffe entfernt, so zum Beispiel Mineralien und Ballaststoffe. Oft wird behauptet, Süßigkeiten würden Zucker in das Blut pumpen und so zu mehr Energie und besserem Denkvermögen verhelfen. In Wirklichkeit wirkt Zucker kurzfristig beruhigend. Sie fühlen sich weniger angespannt und nervös und können sich dadurch besser konzentrieren. So sind Stresssituationen im Beruf und Privatleben besser zu ertragen. Ist der Lebensstil jedoch von Dauerstress und Hetze geprägt und gibt es immer wieder Frustrationserscheinungen und Entbehrungen, so greift man regelmäßig gern nach diesem freiverfügbaren Beruhigungsmittel. Die langfristigen Wirkungen von regelmäßigem Zuckerkonsum sind allerdings bedenklich. Zucker ist ein schlimmer Nährstoffräuber, das sieht man schon an den Millionen Diabeteskranken. Zucker macht zudem abhängig. Durch häufigen Verzehr von zuckerhaltigen Nahrungsmitteln bekommt man immer mehr Appetit auf Süßes. So trinkt man zuckerhaltige Limonaden, isst zwischendurch leicht erreichbare Süßigkeiten wie Kekse, Kuchen oder Schokolade, was den Appetit immer mehr steigert. Zucker funktioniert wie viele Abhängigmacher: Es muss die Dosis immer mehr gesteigert werden, um den gleichen Effekt an Befriedigung zu erreichen. Wer sich mal die Mühe macht und beim Einkauf die Liste der Zutaten bei den Produkten aus dem Supermarkt beachtet, wird feststellen, dass Zucker (oder Ersatzstoffe wie z.B. Saccharose) mittlerweile fast überall zugesetzt werden. Auch da, wo man ihn gar nicht unbedingt vermutet, nämlich u.a. auch in Obstsäften, Salatsoßen, Wurst und Senf.

Zielgruppe Kinder und Jugendliche
Als Zielgruppe für den Absatz an gezuckerten Produkten sind für die Nahrungsmittelindustrie besonders Kinder und Jugendliche interessant, denn Ernährungsgewohnheiten - haben diese sich erst mal etabliert - sind nur schwer zu ändern. Schon Babynahrung ist gesüßt. Mit Limonaden, Cola-Getränken, Ketchup (30% Zucker), Hamburger (Soße mit 23% Zucker) und vielerlei anderen bunten gezuckerten Fastfood-Produkten werden unsere Kinder und Jugendliche voll auf süß getrimmt. [6] Auch Molkereiprodukte wie Joghurts sind laut Stiftung Warentest keine vernünftige Zwischenmahlzeit für Kinder, denn auch diese sind meistens zu fett und es sind zwischen 13 und 25% Zucker zugesetzt. [7] Da Zucker die Darmflora massiv schädigt und verändert, wird auch die körpereigene Produktion von B-Vitaminen durch Darmbakterien gestört. Dieses Vitamin ist aber für die Energieversorgung der Nerven, also für eine gute Denkleistung wichtig. Der Mangel an Vitamin B1 führt deshalb zu Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen. Der Verdacht drängt sich auf, dass die in letzter Zeit so viel diskutierten schlechten Schulleistungen (Stichwort Pisastudie) und auch die immer mehr zu beobachtende Hyperaktivität unserer Kinder auf einen chronischen Mangel an B-Vitaminen zurückzuführen ist.
Eine besonders bedenkliche Entwicklung sind neue alkoholische Getränke mit Zuckergehalt - sog. Alcopops - die bei Jugendlichen immer beliebter werden. Als Folge des süßen Fruchtgeschmacks entwickeln junge Menschen immer früher einen regelmäßigen Alkoholkonsum. Süchte sind so vorprogrammiert. Durch den hohen Zuckergehalt in vielen Nahrungsmitteln der Industrie schmecken den meisten Menschen insbes. unseren Kindern naturbelassene und frische Lebensmittel gar nicht mehr. So wird man zum abhängigen und willigen Konsumenten der Produktdesigner.

Obst und Gemüse
Leider sind auch frisches Obst und Gemüse kein Garant für gesunde Ernährung, denn ihnen mangelt es häufig - verursacht durch eine intensive Landwirtschaft - an Vitalstoffen, also an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen. Über einen Zeitraum von 10 Jahren wurden von mehreren Labors in Deutschland und der Schweiz Untersuchungen über den Gehalt an Vitalstoffen in unserem Obst und Gemüse durchgeführt. Das Ergebnis zeigt einen starken Abwärtstrend. Hier einige Beispiele: Pro mg je 100g Lebensmittel sank bei Kartoffeln der für eine gesunde Knochenbildung notwendige Kalziumgehalt um 70% und im Brokkoli um 56%, das Vitamin B6 - wird für die Freisetzung und Verwertung von Energie aus Eiweiß benötigt - im Spinat um 59% und in Bohnen um 61%, das für das Immunsystem wichtige Vitamin C im Spinat um 58%; und der für die Blutbildung bedeutende Gehalt an Folsäure nahm bspw. in Karotten um 57% und im Brokkoli um 52% ab, und das in nur 10 Jahren! [8] Durch den Mangel an Vitalstoffen fühlen sich viele Menschen ständig ausgelaugt, müde und erschöpft. Deshalb gibt es mittlerweile einen riesigen Markt an Nahrungsergänzungsmittelherstellern, die mit immer wieder neuen und teuren Zaubermitteln um Kunden werben. So sinnvoll eine Substitution von Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen durchaus ist, wird auch hier aus der Not der Menschen ein Geschäft gemacht.

Gesundheit
Die meisten Menschen sind von der Werbung geblendet, so dass sie mehr auf Äußerlichkeiten als auf Inhalte achten. Deshalb ist es vielen wichtiger, ihr Geld z.B. für technische Spielereien, Autos, Statussymbole oder Markenbekleidung auszugeben, als ihren Lebensstil zu ändern und sich gesund zu ernähren. Aber auch bei den Lebensmitteln selbst wird mehr auf ideales Aussehen als auf den Gehalt an Vitalstoffen geachtet. Es ist aber fatal, gerade bei der Nahrung sparen zu wollen, denn billig können Lebensmittel nur durch Massentierhaltung und Großfeldwirtschaft sein. Und hier kommen - um die Ertragsverluste so gering wie möglich zu halten - Insektizide und Herbizide zum Einsatz. Die Käufer schauen nur auf den Preis, ohne zu bedenken, dass sie später ein Vielfaches für mögliche gesundheitliche Spätfolgen ausgeben müssen. Intensive Landwirtschaft, exzessiver und einseitiger Anbau verringert die Nährstoffe in der Nahrung. Konservieren und Bestrahlen, langes Lagern, weite Transportwege und falsche Zubereitung schädigen Lebensmittel und machen so die Menschen auf Dauer krank. Jeder zweite Erwachsene und jeder fünfte Jungendliche sind übergewichtig; mit zunehmendem Alter sogar schon jeder dritte - verursacht durch jahrzehntelange Fehl- bzw. Mangelernährung. [9] Viele Frauen leben ständig auf Diät. Fast jeder leidet an Karies, einer Folge von zu hohem Zuckerkonsum. Diabetes, Allergien, hoher Blutdruck, Herz- und Kreislauferkrankungen, Osteoporose und viele Arten von Krebs sind die Folge jahrzehntelanger ungesunder Ernährung und unzureichender körperlicher Betätigung.


Die Lösung
Um diese Kosten zu senken und die Volksgesundheit zu fördern, brauchen wir jedoch kein mehr an symptombekämpfenden Dienstleistungen und ungesunden Nahrungsmitteln. Wir brauchen keine billigen oder genmanipulierten Lebensmittel, sondern weniger aber gesundes Fleisch, frisches und gesundes Obst und Gemüse - und das im gesunden Verhältnis. Wir brauchen nicht noch mehr verkaufte Autos und Verkehr, der die Umwelt schädigt, sondern die Menschen brauchen mehr Zeit für Luft, Sonne und Bewegung. Wir brauchen also Bewegung in den Beinen statt auf den Straßen. Statt die unmittelbare Umwelt der Menschen immer mehr zu verbauen, so dass sie im Urlaub in Naturparadiese fliehen müssen, sollte man die Umwelt hier in Deutschland schonen und erhalten. Auch sollte man hohe Umsatzzahlen und Gewinne der Pharmaindustrie als Zeichen sehen, dass etwas Entscheidendes in der Gesellschaft fehl läuft. Die meisten Krankheiten haben ihre Ursachen in schlechten Arbeits-, Lebens- und Umweltbedingungen.
Anstatt dass die Menschen flexibler im Sinne der Wirtschaft und des Kapitals werden, sollte also die Wirtschafsform den Erfordernissen der Menschen angepasst werden. Wir brauchen einen Wechsel zur Qualität statt einer ständigen Steigerung der Mengen! Dafür gilt es das Finanzsystem zu reformieren, damit eine humane Wirtschaft den Bedürfnissen der Menschen entsprechen kann. Die Wirtschaft ist für die Menschen da - und nicht umgekehrt!


Quellen:
[1] Statistisches Bundesamt
[2] Strategische Nickerchen am Arbeitsplatz von Rolf Degen (Teil 2)
[3] Langbein/Mühlberger/Skalnik 1995, S. 608.
[4] Christian Opitz "Gesundheit für Mensch und Erde" Hans-Nietsch-Verlag
[5] Neue Kronen Zeitung, Wien, 1998. Serie "Vorsicht, Essen!"
[6] http://people.freenet.de/gesundheitsprobleme/ Zucker die süße Sucht
[7] Stiftung Warentest 11/2000 S. 76 - 82
[8] Analyse des Schwarzwaldsanatoriums Obertal 1996 und des Geigy-Konzerns aus der Schweiz 1985: Obst und Gemüse - Mineralien und Vitamine, gestern und heute
[9] Statistisches Bundesamt