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Detlef Ouart, 16.12.2010
Inflation oder Deflation - was bringt die Zukunft?

In den Massenmedien wird seit Monaten die Angst vor eine Inflation geschürt. Dazu muss man beachten, dass wir schon immer Inflation hatten. Der Kaufkraftverlust der DM in den Jahren 1948 bis 2008 betrug ca. 78 Prozent. Eine DM von 1948 hatte also 2008 nur noch einen Wert von 22 Pfennigen. Der Lebensstandard war in Deutschland trotzdem sehr hoch - ja so hoch wie noch niemals zuvor in der Geschichte! Wie passt das zusammen?

Bei dieser Betrachtung darf man die Lohnentwicklung nicht ausklammern. Eine Inflation ist nicht schädlich, wenn gleichzeitig die Löhne mit den Preisen steigen. Es ändern sich dann jeweils nur die Zahlen. Doch seit einigen Jahren ist ein Rückgang des Lohnniveaus zu verzeichnen. In Deutschland sanken die Löhne im Zeitraum von 2000 bis 2009 durchschnittlich um 4,5 Prozent. Mit Einführung des Euro 2002 verdoppelten sich dagegen die Preise praktisch binnen weniger Jahre. Es fand also eine massive Senkung der Kaufkraft statt! Was hat dies nun mit der Inflationsangst zutun?

Eine starke Inflation kann nur ausgelöst werden, wenn die Leute wesentlich mehr Geld in die Hand bekommen als es auf dem Markt an Waren und Dienstleistungen zu kaufen gibt. Dann würde die Nachfrage steigen und die Händler würden daraufhin ihre Preise erhöhen. Würden die Preise steigen so würden die Gewinne steigen und die Unternehmen könnten die Löhne erhöhen - so ginge das weiter im Wechselschritt. Kurz gesagt: Eine starke Inflation ist mit stagnierenden oder fallenden Löhnen gar nicht zu machen! Doch warum gibt es die massiven Inflationswarnungen in den Massenmedien?

Wie schon im Jahre 1999, als angeblich jeder drauf und dran war durch Aktienspekulationen am Neuen Markt steinreich zu werden (erinnern Sie sich noch?), so sind auch heute die Informationen in den Medien manipuliert. Den Leuten wird Angst vor der Geldentwertung gemacht damit sie sich einerseits an der neuen Spekulationsblase - diesmal vor allem Gold und andere Rohstoffe - beteiligen und anderseits eine stärkere Bereitschaft entwickeln sich zu verschulden. Wenn man sich verschuldet, um z. B. eine Immobilie zu erwerben, dann gewinnt man bei einer Hyperinflation - so wird es suggeriert. Beides ist bei sinkenden Löhnen fatal!

Nicht eine Inflation mit ist im Anmarsch, sondern die nächsten Spekulationsblasen z. B. wie gesagt bei Rohstoffen die die Preise für Lebensmittel, Heizkosten usw. nach oben treiben. Gleichzeitig stagnieren die Löhne (bestenfalls) wodurch die Menschen gezwungen sind, bei Dingen, die sie nicht unbedingt brauchen, zu sparen. Das wiederum setzt Unternehmen unter Druck, Löhne zu senken oder gar Personal zu entlassen. Es setzt sich also genau eine gegensätzliche Spirale in Gang - also statt Inflation bekommen wir Deflation. Wir können also an den Spekulationsblasen ersehen, wie stark die Deflation vorangetrieben wird!

Nun muss man sich fragen, wie diese Spekulationsblasen zustande kommen? Man kann an den Börsen nur das einsetzen, was man vorher an Einkommen erzielt hat. Da die Löhne stagnieren oder gar sinken kann davon nicht mehr viel verspekuliert werden. So kommt ein zweiter Einkommensfaktor ins Spiel der in den Massenmedien immer weitestgehend ausgeblendet wird - nämlich leistungslose Kapitaleinkommen durch Zinsen. Dieses Kapital strebt immer danach, sich zu vermehren. Da die Zinsen relativ niedrig sind, wird weniger in der Realwirtschaft investiert - was die Löhne unter Druck setzt. Stattdessen wird es in die Spekulationsblasen mit der Hoffnung auf reichhaltige Renditen gesteckt. Das wiederum sorgt für Preissteigerungen - wie oben ausgeführt. Die Folgen sind deflationär!

Bei den Spekulationsblasen handelt es sich zudem um eine Umverteilung, von denen die weniger, zu denen die mehr Kapital besitzen. Da bei den Spekulanten diejenigen mit der höheren finanziellen Potenz (und daher mehr Durchhaltevermögen besitzen) tendenziell die Gewinner sind, verlieren wiederum die die eh weniger Kapital besitzen und die evtl. doch mal in der Realwirtschaft einkaufen würden. So wird die deflationäre Tendenz zusätzlich verstärkt! Auch ist es wenig wahrscheinlich, dass Spekulanten plötzlich alltägliche Gebrauchsgüter kaufen würden. Warum sollten Spekulanten Butter, Eier, Milch, Automobile oder Fernsehapparate usw. in Größenordnungen vom Markt kaufen, wenn sie mit gleichzeitig bei Rohstoffen spekulieren können?

Abschließend zur Eurokrise, wo mit dem Zerfall der Währung gedroht wird. In Wirklichkeit handelt es sich um eine Überschuldungskrise, die irgendwann zwangsläufig einsetzen muss. Da durch den Zinseszinseffekt die Guthaben exponential steigen, müssen gleichzeitig die Schulden mit steigen. Das stößt natürlich irgendwann an Grenzen, wo Schulden nicht mehr erwirtschaftet werden können. Nun trifft es zuerst die wirtschaftlich schwächsten Staaten des Euroraums. Werden nun die Schulden durch Bürgschaften und sog. EU-Bonds gleichmäßig auf alle Staaten verteilt, wird der Bankrott zeitlich etwas hinausgeschoben. Außerdem werden die stärkeren Staaten geschwächt. Gleichzeitig werden Steuern erhöht oder neue eingeführt und Leistungen des Staates gesenkt. Dies trifft wieder die Kaufkraft der Bevölkerung - die deflationären Tendenzen verstärken sich.

Sollten Staaten aus dem Euroraum austreten, so ändert sich vielleicht mal wieder die Währungsbezeichnung, aber generell am Grundproblem nicht viel. Sollte der alte Euro mit ungünstigen Umrechnungskursen zur neuen Währung die Kaufkraft der Bevölkerung weiter schwächen, so verstärkt dies die Tendenz zur Deflation. Schulden werden bestimmt nicht gestrichen, dagegen sicherlich viele Arbeitsplätze. Letztlich ist es egal, wie die Währung heißt, entscheidend ist der Lebensstandart der Bevölkerung, der sich vornehmlich aus der Einkommenslage ergibt. Auch unter der DM wären wir in eine Schuldenkrise geraten, nur zeitlich viel später.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Preissteigerungen bei stagnierenden Löhnen wirken deflationär. Mit der deflationären Abwärtsspirale geraten die Löhne unter Druck; dann die Preise; damit die Unternehmen; Arbeitsplätze usw. Das Geld verliert also nicht an Wert - wie immer wieder behauptet wird - sondern genau andersherum. Wer keine Schulden und ein einigermaßen stabiles Einkommen hat, kann sich glücklich schätzen! Eine starke Inflation ist wenig wahrscheinlich, insbesondere solange sich das überschüssige Kapital an den Börsen in den Spekulationsblasen austobt. Dadurch werden jedoch Preise künstlich in die Höhe getrieben. Die Vorzeichen für eine lang andauernde Deflation verdichten sich.

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