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Wirtschaft, Finanzen und Geld sind komplizierte Sachgebiete denen man ausschließlich den Experten überlassen sollte. So denkt sicherlich jeder der sich noch nie mit diesem Gebiet auseinandergesetzt hat. Der berühmte Autobauer Henry Ford sagte einmal: "Eigentlich ist es gut, dass die Menschen der Nationen unser Banken- und Währungssystem nicht verstehen. Würden sie es nämlich, so hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh!" Damit alles so bleibt wie es ist, wird Wirtschaft nicht an den Schulen gelehrt. Deshalb ist es so, dass wir alle über die Oberfläche des Mondes mehr bescheit wissen als über das Tauschmittel Geld welches wir tagtäglich benutzen. Aber auch die Finanz-Experten werden an den Universitäten im Sinne der derzeitigen Wirtschaftsideologie verbildet. Einfache Zusammenhänge, wie die Unmöglichkeit stetigen Wirtschaftswachstums und die Ursachen von Armut werden kaum erkannt. In den Massenmedien hört man nur das Märchen des ewigen Wachstums, von Reformen, die keine sind und davon, dass die arbeitenden Menschen sich immer mehr anstrengen müssten und ihnen dennoch immer weniger Wohlstand übrig bleibt. Doch warum das so ist, erfährt man nirgends. Informieren Sie sich selbst und lesen Sie folgende Beiträge und Seiten!

Wirtschaftskrise und Geldsystem
(2003)
© Detlef Ouart

I Symptome

Wirtschaftswachstum und Gesamtverschuldung

Immer deutlicher wird, dass die meisten gesellschaftlichen Probleme nicht nur wirtschaftliche, sondern speziell finanzielle Ursachen haben. So wird tagtäglich in den Medien berichtet, dass der Sozialstaat nicht mehr finanzierbar, die Renten unsicher, die Gesundheitskassen reformiert werden müssen und auch Arbeit nicht mehr bezahlbar sei. Gleichzeitig versucht man dagegen anzugehen, indem Bundesländer z. B. Personalausgaben verringern, Städte und Gemeinden öffentliche Einrichtungen schließen und Nürnberg beim Arbeitslosengeld kürzt. Doch scheinbar lassen sich damit nur kurzfristig einige Haushaltslöcher stopfen, weshalb auch weiterhin immer höhere Schulden aufgenommen werden. Die Staatsverschuldung liegt über 1.300 Mrd. Euro und wächst mit mehr als 2.000 Euro pro Sekunde [1]! Allein die Zinszahlungen für alte Schulden machen bereits einen Anteil von über 15 % des gesamten Bundeshaushaltes aus [2]. Die Verschuldung nimmt immer größere Ausmaße an und ist nicht mehr zu stoppen. Doch was sind die Ursachen?
Allgemein wird immer wieder darauf verwiesen, dass die Hauptursache eine zu schwache Konjunktur und Wirtschaftsleistung sei. Dabei gilt es zu bedenken, dass das Bruttosozialprodukt (nominal) von 1960 bis 2002. auf ca. das 13-fache von 155 auf über 2.000 Mrd. Euro gesteigert wurde. Gleichzeitig wuchs jedoch die Gesamtverschuldung der BRD (öffentliche und private Haushalte plus Unternehmen) um das 41-fache von 154 auf rund 6.300 Mrd. Euro! Die Verschuldung wuchs also etwa dreimal stärker als die Wirtschaftsleistung [3]!
Warum geht es der Allgemeinheit trotz übervoller Regale in den Konsumtempeln, riesiger Autoschlangen auf den Straßen und deutlicher Verbesserung des materiellen Lebensstandards der Menschen schlechter als um 1960?


Staatsverschuldung und Arbeitsmarkt

Der Sozialstaat, der nach dem Kriege unter Schutt und Asche eingeführt wurde, soll, nachdem nun die Wirtschaftsleistung 13?fach gesteigert wurde, nicht mehr finanzierbar sein. Wie passt das zusammen? Sind wir alle zu anspruchsvoll, zu satt und faul geworden? Hätten wir uns noch mehr anstrengen müssen? Waren wir zu langsam, zu träge und zu wenig innovativ? Oder ist es nicht so, dass die meisten Menschen längst unter ständiger Arbeitshetze, Stress und Überforderung leiden? Ist es nicht schon soweit, dass sogar viel zu wenig Zeit für die Familie, für Kinder und Freunde bleibt? Und könnte es auch sein, dass immer mehr Menschen am Rande der Gesellschaft landen, weil sie mit einem ständig wachsenden Leistungsdruck einfach nicht mithalten können? Ist die Wirtschaft eigentlich für die Menschen da oder umgekehrt?
Die Sozialkosten sind zu hoch, wird überall beklagt, und ein neuer Aufschwung soll die Arbeitslosigkeit bekämpfen. Blicken wir jedoch die letzten Jahrzehnte zurück, dann ist beim ständigen Wachsen der Wirtschaftsleistung auch die Arbeitslosigkeit seit 1960 um das Sechsfache von etwa 1,7 auf über 10 % gestiegen [4]. Gleichzeitig wurde vom Staat fortwährende Arbeitsmarktförderung betrieben und mit Konjunkturprogrammen und Subventionen immer wieder eine abschwächende Konjunktur belebt. Der Staat hatte also nicht nur für die Folgen der Arbeitslosigkeit aufzukommen, sondern versuchte auch, mit Konjunkturprogrammen eine Abnahme der Wirtschaftsleistung im Vorfeld zu verhindern. Dennoch wuchs die Arbeitslosigkeit ständig weiter an. Deshalb kann man die hohen Arbeitslosenzahlen mit den herkömmlichen Mitteln nicht dauerhaft senken - haben doch diese Instrumente schon in der Vergangenheit ungenügend gegriffen!

Der Staat als Systemstabilisator

Um einer Wirtschaftskrise vorzubeugen, hat der Staat in konjunkturell schlechteren Zeiten versucht, mit hohen Investitionen die Konjunktur am Laufen zu halten und für Wachstum zu sorgen. Dazu wurde der Staat im "Gesetz zur Förderung des Wachstums und der Stabilität der Wirtschaft" von 1967 sogar gesetzlich verpflichtet. Deshalb hat er auch so oft kapitalintensive Großprojekte, wie Ausbau von Flüssen, Straßenbau, Raumfahrt, Atomenergie oder Rüstung, gefördert. Mit großen Investitionen lassen sich große Wachstumsschübe erzeugen und eben auch große Gewinne erzielen. Doch mit der Zeit wird der Staat immer handlungsunfähiger, da die Schulden durch Zinsen und Zinseszinsen expotentiell eskalieren. Es wird allgemein weniger investiert und damit immer mehr Kapital zum Spekulationsobjekt. Deflation naht. Eskalierende Schulden, Aktien-, Boden- und Immobilienspekulationen waren in der Vergangenheit häufig die Vorläufer eines Systemcrashs.

Verschuldung der Unternehmen

In der Diskussion um eine zu hohe Verschuldung wird meistens der Staat als Übeltäter gebrandmarkt. Aber nicht nur der Staat hat sich verschuldet, auch Unternehmen stehen mit insgesamt über 3.300 Mrd. Euro in der Kreide. Die Beträge für Investitionen, welche Selbstständige aufbringen müssen, um im rauen Wettbewerb überhaupt mithalten zu können, haben sich immer weiter erhöht. Besonders neue Technologien und Mieten für Geschäftsräume, Lagerräume oder Produktionsstätten fallen hoch ins Kalkül. Diese Kosten werden von den Unternehmen in die Kalkulation einberechnet und landen in den Preisen schließlich beim Endverbraucher. Immer weiter steigende Investitionskosten können jedoch immer weniger in Gewinne gewandelt werden. Unternehmensinsolvenzen erreichen dieser Tage neue Rekordstände. Noch nie wurde so schnell und produktiv gearbeitet wie heute in Deutschland, und dennoch reicht es einfach nicht aus. Wie passt das zusammen?

Verschuldung der Privathaushalte

Bleiben noch die Privathaushalte, welche sich ebenfalls durch geschickte Werbung für Konsumgüter und Immobilien mit über 1.500 Mrd. Euro verschuldet haben. So gab es in den letzten Jahrzehnten eine systematische Umerziehung der Bürger vom sparenden zum verbrauchenden Individuum. Außerdem gibt es einen Zusammenhang zwischen umfriedigender Arbeits- und Alltagswelt und übertriebenem Konsumverhalten. Wenn die Wirtschaft ständig wachsen soll, dann muss auch der Umsatz an Konsumgütern immer weiter wachsen. Heutzutage ist bereits jeder vierte Haushalt der Bundesrepublik überschuldet. Dabei gilt es zu bedenken, dass diese Schulden überwiegend für eine zusätzliche Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen aufgenommen wurden und daher vom Handel und der Industrie erwünscht sind. Kredite werden dementsprechend beworben und angeboten.

Doch wo ist das Geld?

Ergibt sich die Frage, wohin das ganze Geld geflossen ist, wenn sich öffentliche Haushalte, Konsumenten und auch die Wirtschaft so hoch verschuldet haben? Wo sich Schulden stapeln, da müssten sich auf der anderen Seite auch Guthaben bilden. Ohne Guthaben kein Kredit, ohne Kreditrate keine Zinsgutschrift und ohne Schuldner kein Gläubiger. Im Spiegel-Online vom 11. Juni 2003 [5] erschien ein Artikel mit der Überschrift "Trotz Krise immer mehr Millionäre". Dort heißt es: "Weltweit können sich 7,3 Mio. Personen - 2,1 % mehr als im Vorjahr - zum Kreis der Dollar-Millionäre zählen. Laut Wealth Report ist aber nicht nur die Zahl der Reichen, sondern auch ihr Kapital gestiegen. Weltweit nahm es trotz Börsenflaute um 3,6 % auf 27,2 Bio. Dollar zu." Und weiter liest man: "Geholfen hat den Vermögenden nach Angabe der Studie, dass sie mehrheitlich konservative Anlagestrategien zur Mehrung ihres Besitzes genutzt haben. In den Portfolios der Reichen und Superreichen dominieren laut Merrill Lynch und Cap Gemini festverzinsliche Wertpapiere und risikoarme Anlagen." Der Titel des Berichts besagt also, dass es trotz einer Wirtschaftskrise immer mehr Millionäre gibt und außerdem auch das Kapital gestiegen ist. Man kann also in Zeiten schwindender Wirtschaftsleistung und wachsender Schulden sein Vermögen mit festverzinslichen Wertpapieren und risikoarmen Anlagen kräftig steigern. Noch im Juli 2003 bietet eine bekannte Deutsche Direktbank als Tagesgeld 2,5 % Zinsen ab dem ersten Euro an. Und das, obwohl das Sozialprodukt nach optimistischen Schätzungen in diesem Jahr nur um 0,75 % steigen soll. Das ist immerhin dreimal so hoch! Wie viel Zins bekommt man wohl für andere Größenordnungen als einen Euro? Überhaupt lag der Kapitalmarktzins seit 1960 im Durchschnitt meist über der Steigerungsrate des Sozialprodukts [6]! Auch bewegte er sich ständig über der Inflationsrate, da ein Inflationsausgleich Bestandteil des Zinses ist [7]. Fragt sich nun, wie solch ein Finanzsystem überhaupt funktionieren kann? Gibt es möglicherweise einen Fehler im System?

II Das Geldsystem

Die Funktion des Geldes

Geld wird allgemein als Tauschmittel für Waren und Dienstleistungen angesehen. Außerdem hat es noch die Aufgabe, als Wertaufbewahrungsmittel zu fungieren.
Probleme können jedoch entstehen, wenn zuviel Geld gehortet wird. Wenn jemand Bargeld im Tresor oder Sparstrumpf aufbewahrt, kann es weder als Tauschmittel genutzt noch als Kredit vergeben werden, was normalerweise beim Sparen, also der verzinsten Wertaufbewahrungsfunktion geschieht.
Probleme können entstehen, da Geld einen entscheidenden Vorteil gegenüber Arbeit besitzt. Arbeit unterliegt einem Angebotszwang. Das bedeutet, dass jemand, der Waren oder Dienstleistungen anbietet, darauf angewiesen ist, dass diese auch nachgefragt werden, da sonst die Waren veraltern, verderben, Lagerhaltungskosten verursachen. Ja, und außerdem muss er von den Einnahmen seinen Lebensunterhalt bestreiten und sein Geschäft unterhalten.
Geld jedoch unterliegt keinem Angebotszwang. Wer mehr Geld besitzt als er für die Befriedigung seiner Bedürfnisse verwendet, kann dieses horten. Er ist nicht gezwungen, dieses in Umlauf zu bringen. Würden viele wohlhabende und reiche Menschen ihr Geld horten, gebe es irgendwann einen Geldmangel. Es könnten weniger Geschäfte getätigt, Kredite vergeben werden usw. Damit der Geldbesitzer das Geld jedoch in den Wirtschaftskreislauf freigibt, bietet man ihm eine Prämie, ein Lockmittel: den Zins. Er bekommt diese Zinsgutschrift vor allem deshalb, weil er das Geldangebot verknappen könnte!
Da Geld einerseits öffentliches Mittel ist, welches von jedermann als Tauschmittel verwendet werden soll, andererseits aber als Privateigentum aus dem Kreislauf herausgezogen werden kann, ergibt sich die Gefahr eines stagnierenden Geldflusses. Diese Stagnation wirkt sich jedoch negativ auf die Geschäftstätigkeit aus, wie wir dieser Tage überall beobachten können.

Zins und Zinseszins

Nun ist es ja so, dass dieses Geld, welches der Geldverleiher als Zins bekommt, von jemandem erwirtschaftet werden muss. Ohne Schuld kein Guthaben und umgekehrt. Wenn nun aus konjunkturellen Gründen, weil Märkte irgendwann ganz normale Sättigungserscheinungen zeigen, zu wenig Geschäftsleute, Unternehmer und Konsumenten Kredite nachfragen, jedoch die Zinsgutschriften von langfristigen Anlagen bei den Geldverleihern als vereinbarte Größe feststehen, kommt es zu einem Ungleichgewicht.
Je höher der Zinssatz, umso schneller verdoppelt sich ein Guthaben, bei 7 % beispielsweise in zehn Jahren. Dieses Geld muss aber durch die Wirtschaft erbracht werden, und dadurch kommt es zum Wachstumszwang! Es muss ein Gegenwert zum Geld erwirtschaftet werden, damit das Wirtschaftssystem funktionieren kann.
Das Kapital sucht sich immer die beste Möglichkeit zur Rendite, und dieses über den ganzen Globus in Milliarden US?Dollar Höhe. Ein Arbeiter kann jedoch nicht immer gerade dort sein, wo ein noch rentablerer Arbeitsplatz entsteht. Das ist die Ursache für viele derzeitigen Probleme am Arbeitsmarkt. Oftmals fehlt es gar nicht an Arbeit, sondern am Geld, diese zu finanzieren.

Verdient nicht fast jeder am Zins?

"Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten" wird von den Banken für Geldanlagen geworben. Nun, ich habe bisher ausschließlich Menschen oder Maschinen arbeiten gesehen. In Wirklichkeit arbeitet also der Schuldner dafür, die Zinsen des Gläubigers zu erwirtschaften.
Doch was ist, wenn man selbst gar keine Schulden und etwas Geld auf der Bank hat? So erhält man auch Zinsen, bezahlt aber keine. Dies ist leider eine Milchmädchenrechnung, denn fast jeder verliert am Zins. Als Normalverbraucher zahlt man schon allein Zinsen, wenn man Waren und Dienstleistungen in Anspruch nimmt. Die Zinsen sind nämlich in den Preisen versteckt. Da Unternehmen und Dienstleister sämtliche Kosten in die Preise verlagern, sind natürlich auch Kreditkosten darin enthalten. So kann man eine Gesamtrechnung aufmachen: Wenn man die Verschuldung des Staates und der an der Börse notierten DAX-Unternehmen von etwa 2.800 Mrd. Euro mit einem angenommenen Zinssatz von 7 Prozent berechnet, erhält man einen Zinsanteil in den Preisen von rund 200 Mrd. Euro. Geteilt durch 35 Millionen Haushalte der Bundesrepublik ergäbe es einen Betrag von rund 5700 Euro, den jeder Haushalt im Schnitt pro Jahr an die Banken allein für Schulden zahlt, obwohl er selbst keinen Kredit aufgenommen haben muss. Weiter gerechnet, müsste bei einem Zinssatz von 3 Prozent jeder Haushalt ein Vermögen von über 165.000 Euro aufweisen, um aus dieser Rechnung als Zinsgewinner hervorzugehen. Sonst zahlt man in der Summe mehr Zinsen an andere, als man selbst einnimmt. Auch ist anzunehmen, dass jemand mit einem derartigen Guthaben überdies noch ein vielfaches an Besitz sein Eigen nennen wird. Man profitiert also nach dieser Rechnung ab einem angelegten Guthaben von etwa 165.000 Euro vom Zinssystem! Da dies ein Durchschnittswert ist, müsste - wenn man selbst nicht über diesen Betrag verfügen sollte - der nächste Bekannte, Verwandte oder Nachbar über die doppelte Summe verfügen. Und trifft dies auch nicht zu, müsste der nächste die dreifache Summe (natürlich immer abzüglich des tatsächlichen Betrages) haben. Der Fehlbetrag dazu landet bei einem angenommenen Haushalt X, denn irgendwo muss das Geld ja sein. Sie haben beispielsweise eine Geldanlage von 30.000 Euro zu 3 Prozent Zinsen angelegt. Sie gehören damit trotzdem zu den Zinsverlierern, denn Ihnen fehlen 135.000 Euro um von den Zinsen in der Summe zu profitieren. Der Fehlbetrag muss aber irgendwo vorhanden sein, denn wir hatten ja die 165.000 Euro als Durchschnittswert berechnet. Ich nehme an, je mehr Ihrer Verwandten und Bekannten in diese Rechnung einbezogen werden, der Betrag des Haushaltes X immer größer wird. Ist es da ein Wunder, dass es immer mehr Millionäre in Deutschland gibt? Und wenn Sie noch die Steuern hinzu rechnen und bedenken, dass ausgerechnet die Haushalte mit größeren Guthaben die wenigsten Steuern einbezahlen, wird's noch etwas herber mit der Verteilung von Lasten. Das ist leider noch nicht alles. Sie müssen noch bedenken, dass gerade diejenigen mit geringen Ersparnissen die Zinsen für die Vermögenden erarbeiten müssen. Wer soll es sonst tun? Oder glauben Sie, dass sich jemand mit einem Guthaben von über 165.000 Euro und vielfachem Besitz selbst die Finger schmutzig macht?
Vielleicht denken Sie jetzt, das ist schon allerhand, nun kommt aber die Krönung. Da die großen Guthaben durch den Zinseszinseffekt stärker und schneller wachsen als kleinere Beträge, die Wirtschaftsleistung, also der Gesamtkuchen, zusätzlich kaum noch gesteigert werden und der Staat keine neuen Schulden aufnehmen kann, müssen zwangsläufig die geringen Guthaben zugunsten der großen beschnitten werden. Woher soll sonst das Geld kommen? Deshalb müssen Arbeitslöhne, Renten und staatliche Leistungen gekürzt und außerdem die Sparguthaben der kleinen Leute herangezogen werden. Und diese Umverteilung wird von den Politikern als sogenannte Reform zur Sicherung der Zukunft der Gesellschaft verkauft. Da die großen Guthaben immer stärker und schneller wachsen, ist das natürlich ein Fass ohne Boden und der "Reformbedarf" wird immer größer. Entlastend spricht für die Politiker, dass diese in dem derzeitigen Finanzsystem gar keine andere Wahl haben.

III Lösungsversuche mit fatalen Folgen

Verteilungskämpfe

"Es kann nur das verteilt werden, was erwirtschaftet wurde", wird treffend argumentiert. Bei den ständig steigenden Zinseinkünften macht man jedoch von dieser Regel eine Ausnahme. Die Zinsen nehmen immer größere Teile der Staatseinnahmen und des Bruttosozialprodukts in Anspruch. Wenn jedoch im zu verteilenden Gesamtkuchen ein Teil (die Kapitalerträge) immer stärker als der andere Teil (Erträge aus Arbeit) wächst, muss letzterer Teil immer mehr zugunsten des ersteren beschnitten werden. Kapitalerträge sind leistungslose Einkünfte, während die Menschen, welche mit ihrer täglichen Arbeit große Leistungen vollbringen, immer mehr, schneller und für immer weniger Lohn arbeiten sollen. Und auch die Sozialleistungen sollen beschnitten werden, da es angeblich weniger zu verteilen gäbe.
In der derzeitigen Wirtschaftskrise produzieren die Bürger bei einem Wachstum um 0 % genau soviel wie ein Jahr zuvor. Warum gibt es trotzdem immer weniger zu verteilen? Und warum soll die Wirtschaft überhaupt weiter wachsen, wenn schon jetzt Waren und Dienstleistungen im Werte von über 24.000 Euro pro Kopf (vom Säugling bis zum Rentner) im Jahr produziert werden [8]?! Ein Vierpersonenhaushalt hätte so fast 100.000 Euro minus Abgaben, also immerhin 50.000 Euro im Jahr zur Verfügung und könnte davon sicherlich gut leben.
Doch wo ist das Geld - oder haben Sie es etwa? Wenn immer größere Teile des Volksvermögens den Kapitaleinkünften zugerechnet werden, wird es klar. Leider wird dies von den meisten Parteien, Organisationen, Verbänden, den Arbeitgebern und Arbeitern nicht gesehen. Verteilungskämpfe nehmen in Krisenzeiten immer mehr zu, und jeder versucht, noch etwas vom immer weiter schwindenden kleinen Stück des Kuchens für sich zu sichern. Unternehmerverbände kämpfen gegen Gewerkschaften, Arbeitgeber gegen Arbeitnehmer, diese gemeinsam gegen Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger, Angestellte im öffentlichen Dienst und Beamte, politisch linke Gruppierungen gegen Rechte, Konservative, Liberale oder die Banken, Wirtschaftsliberale gegen Ökologen, soziale Organisationen gegen die Staatsmacht, Rentner gegen Junge, Familien gegen Singles usw. Gewohnte Feindbilder verschleiern die wirklichen Ursachen. Zusätzlich unterstützen die Medien eine Entsolidarisierung der Gesellschaft, indem vorgefertigte Meinungspole bedient werden, die die Menschen gegeneinander aufhetzen. Die Hauptursache der Finanzkrise, die immer weiter wachsenden Kapitaleinkünfte, verschwinden jedoch immer mehr im Nebel. So zerfleischt man sich gegenseitig auf einem Nebenfeld im Verteilungskampf, ohne jemals eine Lösung zu finden.

Inflation und Deflation

Da man aus der Weltwirtschaftskrise der 20er Jahre gelernt hat, versucht man mit allen Mitteln, eine Hyperinflation, also eine schlagartige Entwertung des Geldes und damit der Schulden zu verhindern. Die Geldmenge kann heutzutage durch den Staat nicht ohne Weiteres mittels Geldpresse erhöht werten. Dafür sorgt schon allein die Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank. Für die Einnahmenseite hat der Staat außer der Neuschuldenaufnahme noch die Möglichkeit, Steuern, Gebühren und Abgaben zu erhöhen, wovon er auch kräftig Gebrauch gemacht hat. Nun sind Obergrenzen erreicht, und man versucht, auf der Ausgabenseite gegenzusteuern. Man glaubt also, das Problem mittels Kürzungen von Sozialausgaben und Arbeitslöhnen beheben zu können. Dabei gerät man in eine deflationäre Abwärtsspirale. Das Reduzieren der Einkommen bewirkt eine Kaufzurückhaltung der Konsumenten, was die Unternehmen in Bedrängnis bringt. Diese müssen die Preise (z. B. mit Sonderangeboten, Aktionen und Rabatten) herabsetzen, weil sonst die Produkte zu wenig Absatz finden. Darauf schwinden die Unternehmensgewinne, und es folgen Lohnkürzungen, Entlassungen oder Insolvenzen. Dies verstärkt die Kaufzurückhaltung der Bürger noch weiter - ein Teufelskreis. Die wirtschaftliche Not großer Teile der Bevölkerung ist - wie schon 1929 - bereits vorprogrammiert! Zwischen 1929 und 1933 purzelten die Verbraucherpreise in Deutschland um nicht weniger als 36 %. Der Preisverfall trieb die Arbeitslosenzahlen in die Höhe und Hitler die Wähler zu. Dadurch kann neuer Nährboden für extreme politische Bestrebungen geschaffen werden.

Lage in den USA und wachsende Kriegsgefahr

Bleibt dann noch die Vernichtung des riesigen Kapital- und Warenüberhanges durch einen globalen Krieg. Die Weichen werden dafür bereits gestellt. Das Haushaltsdefizit der USA dürfte nach offiziellen Prognosen bei 455 Mrd. Dollar liegen [9]. Das Wachstum der amerikanischen Wirtschaft kann nur noch durch Ankurbeln der Rüstungsindustrie gewährleistet werden [10]. Ohne ein Wachsen der Wirtschaft würden die USA in eine Deflation rutschen und damit die gesamte Welt in eine tiefe Wirtschaftskrise mitreißen. So kann man mit zusätzlicher Produktion das Nachfragepotential des Kapitals sichern. Kriege sind für das Kapital rentabel, da so einmal teuer produzierte Rüstungsgüter verbraucht und diese dann wieder neu produziert werden müssen. Gleichzeitig wird Infrastruktur vernichtet, welche dann wieder durch Investitionsvorhaben aufgebaut werden muss. Bei immer mehr gesättigten Konsummärkten ist es ein Weg für neue Investitionen. Dieser Automatismus ist verheerend! Ohne einem Antiamerikanismus das Wort zu reden, zeigt es den Hintergrund der immer mehr zunehmenden Militäraktionen der USA.

Zusammenfassung und Lösungsweg

Die einzige Lösung ist die wirkliche Gleichstellung des Geldes zu Waren und Dienstleistungen. Um die fatalen Lösungsversuche der Geschichte nicht weiter wiederholen zu müssen, sollte das System so verändert werden, dass Geld ebenfalls mit einem Angebotszwang ausgestattet wird. Nur dann ist es Waren und Dienstleistungen ebenbürtig - ein echtes Tauchmittel und kein Machtmittel mehr. Das kann mit einer Rückhaltegebühr erreicht werden. Man soll also nicht mehr - wie derzeitig - für das Horten von Geld geahndet werden. Dann gibt man es gern frei, tätigt Käufe oder bringt es zur Bank. Man kann also auch weiter Geld sparen, nur vermehrt es sich nicht mehr "von selbst". Geld ist dann stärker öffentliches Gut. Es wird weiterhin von der Zentralbank herausgegeben, die eine öffentliche Anstalt ist.
Diese Ideen gehen in erster Linie auf den deutsch-argentinischen Kaufmann Silvio Gesell (1862-1930) zurück. Grundlegendes hat Helmut Creutz geleistet, indem er die Überlegungen Gesells anhand von Datenmaterial der Deutschen Bundesbank, des statistischen Bundesamts und ähnlicher Institutionen konkretisiert hat. Damit werden Entwicklungen in Deutschland, die Geldpolitik der EZB und auch globale Veränderungen erklärbar.
Erste erfolgreiche Versuche mit Freigeld gab es - aus der Not geboren - kurz vor dem Zweiten Weltkrieg in einem Österreichischen Städtchen, was als Wunder von Wörgl [11] in die Geschichte einging. In der Zeit des Freigeldes verschwanden Arbeitslosigkeit und Geldmangel. Leider wurde dieser Versuch durch den Staat mit Hinweis auf das Geldmonopol unterbunden. Problematik und Lösungsansätze müssen in der Öffentlichkeit breit diskutiert werden. Deshalb ist ein Wissen um die Hintergründe enorm wichtig. Dieser Artikel soll ein Beitrag dazu sein.

Lesen Sie weiter: Der sogenannte Arbeits-Markt

Quellen

[1] Schuldenuhr vom Bund der Steuerzahler http://www.steuerzahler.de

[2]
Posten 2002 2003*
Zinszahlungen für alte Schulden 37 38
Arbeitslosenhilfe 15 12,5
Hochschulen 2,1 2,2
Rentenversicherung 72,9 77,3
Umwelt- und Naturschutz 0,2 0,2


Gesamtausgaben 249 248
Gesamteinnahmen 217 229
Neue Schulden 32 19

Bundesfinanzministerium, Angaben in Mrd. Euro
* Stand März 2003
http://www.bundesfinanzministerium.de/Anlage17711/Tabellen-und-Uebersichten-zum-Bundeshaushalt-2003-Stand-Maerz-2002.pdf

[3] Deutsche Bundesbank
Grafik Gesamtschulden

Beträge (nominal) in Mrd. EUR gerundet

[4] Bundesanstalt für Arbeit

[5] http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,252498,00.html

[6]
Jahr 1997 1998 1999 2000 2001 2002
Geldmarktzinssatz bei 1-jährigen Einlagen in % p.a. 3,41 3,20 2,44 3,45 3,49 2,80
Wirtschaftswachstum in Deutschland in % p.a. 1,4 2,0 2,0 2,9 0,6 0,2

Wirtschaftswachstum:
http://www.destatis.de/basis/d/vgr/vgrgraf1.htm
Geldmarktzinssätze: http://www.bundesbank.de/vo/download/mb/2003/04/200304mb.pdf
http://www.bundesbank.de/vo/download/mb/2000/12/200012mb.pdf


[7] Helmut Creutz: Das Geld-Syndrom

[8] Statistisches Bundesamt http://www.destatis.de/basis/d/vgr/vgrtab1.htm

[9] http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,257218,00.html

[10] http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,259439,00.html

[11] http://userpage.fu-berlin.de/~roehrigw/benjes/ben06.html